Inklusion konkret
in der Einrichtung

Nutzung der Räume

Ist meine Einrichtung mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar?
Für viele junge Menschen ist der Zugang zu Angeboten davon abhängig, ob sie diese selbstständig erreichen können. Es lohnt sich auch zu prüfen, ob der nächstgelegene Linienverkehr barrierefrei ist (meist ist eine Rampe in Bussen und Straßenbahnen vorhanden). Entfernungen von etwa 300 Metern zu Haltestellen gelten als gut erreichbar. Entscheidend ist jedoch nicht nur die Entfernung, sondern auch die Qualität des Weges (hierzu zählen sichere Querungen, geringe Barrieren, gute Beleuchtung) sowie die tatsächliche Nutzbarkeit von Verkehrsmitteln. Auch individuelle Voraussetzungen spielen eine große Rolle – nicht jeder Weg ist für alle gleich gut nutzbar.
Ist meine Einrichtung stufenfrei erreichbar oder gibt es funktionale Alternativen (z. B. Rampen, Aufzug oder Begleitlösungen)?ektvoll – unabhängig von Fähigkeiten, Herkunft oder sozialem Hintergrund?
Für die Entwicklung inklusiver Angebote in der Barrierefreiheit beginnt bereits beim Zugang zum Gebäude und nicht erst im Gruppenraum. Auch scheinbar kleine Dinge können Barrieren darstellen, zum Beispiel schwere Türen, enge Durchgänge oder hohe Türschwellen.
Sind zentrale Räume (zum Beispiel Gruppenräume, Küche, Sanitärbereiche) für möglichst viele junge Menschen nutzbar?

Barrierefreiheit betrifft nicht nur Rollstuhlnutzende. Auch andere körperliche Voraussetzungen spielen eine Rolle. Dazu gehören beispielsweise:

  • junge Menschen mit Koordinations- oder Gleichgewichtsschwierigkeiten, die über Schwellen stolpern können
  • Menschen, die Gehhilfen, Orthesen oder Prothesen nutzen
  • Personen mit geringer Muskelkraft oder schneller Erschöpfung
  • junge Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Schmerzen, für die längere Wege oder Treppen belastend sind

Barrierearme Räume unterstützen daher möglichst viele Menschen, zum Beispiel durch

  • ausreichend Bewegungsflächen
  • möglichst wenige Schwellen oder Stufen
  • rutschfeste Bodenbeläge
  • Türen, die leicht zu öffnen sind (z. B. keine sehr schweren Türen oder hohe Türschwellen) oder automatische Türöffner
  • gute Beleuchtung und klare Wegeführung (zum Beispiel Blindenleitsystem)
  • barrierearme Sanitäranlagen

Für Rollstuhlnutzende sind zusätzlich häufig relevant:

  • Türen mit mindestens 80 cm Breite
  • Haltegriffe im Sanitärbereich
  • unterfahrbares Waschbecken
  • ausreichend Platz zum Drehen und Rangieren

Wichtig: Hier sollte je nach Einrichtung und Zielgruppe geschaut werden. Nicht jede Einrichtung braucht all diese Elemente. Nicht alles muss sofort vorhanden sein. Entscheidend ist, ob diese Bedarfe mitgedacht und wenn notwendig, weiterentwickelt werden. Bereits vermeintlich kleine Ermöglichungen, können für die betreffende Person von großer Bedeutung sein.

Gibt es ruhige oder reizärmere Bereiche, die bei Bedarf genutzt werden können?
Manche junge Menschen benötigen Rückzugsmöglichkeiten oder eine reizärmere Umgebung, um sich wohlzufühlen und teilnehmen zu können. Dies kann beispielsweise durch bequeme Sitzgelegenheiten, Akustikpanel oder atmosphärisches Licht realisiert werden.
Wird Vielfalt in der Einrichtung sichtbar wertschätzend dargestellt (zum Beispiel durch Bildmaterial, Sprache oder Gestaltung der Räume)?
Räume vermitteln Haltung – bewusst oder unbewusst.

Räumliche Barrieren wahrscheinlich vorhanden

Die räumlichen Rahmenbedingungen können für manche junge Menschen eine Hürde darstellen.


Das ist kein ungewöhnlicher Ausgangspunkt – viele Einrichtungen entwickeln ihre Räume Schritt für Schritt weiter.

Next Step:

→ Barrieren gemeinsam im Team sichtbar machen

→ erste kleine Veränderungen planen- welche räumlichen Barrieren lassen sich mit wenig oder überschaubaren Aufwand verändern?

→ Beratung oder Austausch mit anderen Einrichtungen nutzen- digitale Sprechstunde der Fachstelle Inklusion nutzen

Ansätze vorhanden, Verbesserungen möglich

Einige Aspekte der Zugänglichkeit sind bereits berücksichtigt. Gleichzeitig gibt es Bereiche, in denen Barrieren noch bestehen oder bisher wenig beachtet wurden.


Next Step:

prüfen, welche räumlichen Barrieren sich mit überschaubarem Aufwand verändern lassen

→ Versuche, deine Einrichtung einmal aus der Perspektive eines jungen Menschen zu betrachten, der euch noch nicht kennt und möglicherweise zusätzliche Unterstützungsbedarfe hat.

→ Austausch im Team über Barrieren im Alltag + Prioritäten setzen. Binde hierfür gezielt Kolleg*innen ein, die bisher noch nicht an dem Gesamtprozess beteiligt waren, um neue Perspektiven zu gewinnen.

Räume unterstützen Teilhabe

Die räumlichen Bedingungen deiner Einrichtung ermöglichen vielen jungen Menschen eine gute Teilnahme an Angeboten. Zugänglichkeit und Nutzbarkeit der Räume werden offensichtlich mitgedacht.


Next Step:

Denk daran, den Stand deiner Einrichtung regelmäßig zu überprüfen, beispielsweise in einem jährlichen internen Audit.

→ Weitere Bedarfe prüfen und mehr ins Detail gehen (z. B. Orientierungssysteme, akustische Bedingungen oder Rückzugsräume)

→ Erfahrungen dokumentieren und im Team austauschen

→ Gute Praxis sichtbar machen- gerne in der digitalen Sprechstunde von eurem positiven Beispiel erzählen

Orientierung und Information

Sind Räume und wichtige Bereiche der Einrichtung klar und verständlich gekennzeichnet?

Symbole, Piktogramme oder einfache Beschriftungen können helfen, sich besser zu orientieren.

Sind Informationen über unsere Angebote (wie Aushänge, Flyer) verständlich und möglichst barrierearm gestaltet?

Dazu gehören einfache oder leichte Sprache, klare Struktur, gut lesbare Schrift und visuelle Unterstützung.

Unterschied leichte Sprache – einfache Sprache:

Leichte Sprache: festes Regelwerk: kurze Sätze, Fremdwörter vermeiden, Nutzung von einfachen und bekannten Wörtern, Verwendung von Bildern, große Schrift mind. 14, klare Schriftart (zum Beispiel Aptos oder Arial) Prüfung notwendig.

Einfache Sprache: folgt nur Empfehlungen: einfache Sätze, Nebensätze erlaubt. Nutzung von klaren, verständlichen Wörtern, vermeiden von Schachtelsätzen, Verwendung von aktiven Verben (Vermeidung Passiv), meist keine Prüfung.

Sind wichtige Informationen und Orientierungshilfen so gestaltet, dass sie von Menschen mit unterschiedlichen Sinneswahrnehmungen genutzt werden können?

Dazu können, je nach Einrichtung und Bedarf, gehören:

  • Brailleschrift oder tastbare Informationen
  • taktil erfassbare Beschilderungen
  • Blindenleitsysteme
  • kontrastreiche und gut lesbare Informationen
  • visuelle und auditive Hinweise
  • eine induktive Höranlage für Menschen mit Hörbeeinträchtigung

Nicht alles muss sofort vorhanden sein. Entscheidend ist, ob diese Bedarfe mitgedacht und weiterentwickelt werden können.

Ist die externe digitale Kommunikation (beispielsweise Website oder Social Media) der Einrichtung möglichst barrierearm gestaltet?

Dazu gehören unter anderem klare Navigation, verständliche Texte oder alternative Bildbeschreibungen, ausreichend Kontrast auf der Website, Anmeldeformulare mit Feldern für zusätzliche Bedarfe. Grundlage hierfür sind die WCAG- Web Content Accessibility Guidelines, internationaler Standard zur barrierefreien Gestaltung von Internetangeboten. Mehr Informationen

Zuständigkeiten: Ist im Team klar geregelt, wer für Fragen rund um Inklusion ansprechbar ist?
Eine klar benannte Ansprechperson schafft Orientierung und Sicherheit, sowohl für Fachkräfte als auch für Familien und junge Menschen.

Informationsbarrieren wahrscheinlich

Informationen und Orientierung in der Einrichtung könnten für manche Menschen schwer zugänglich sein.


Next Step:

→ Sprache und Gestaltung von Informationen überprüfen

→ Orientierung im Gebäude verbessern: Orientierung kann durch einfache Maßnahmen verbessert werden zum Beispiel durch klare und kontrastreiche Beschilderung, Piktogramme oder Symbole, Gebäudepläne im Eingangsbereich, farbliche Leitsysteme oder Bodenmarkierungen, tastbare Orientierungshilfen wie Blindenleitsysteme

→ digitale Kommunikation überarbeiten: aktion-mensch.de/inklusion/barrierefreiheit/barrierefreie-website

Teilweise barrierearm- Entwicklung möglich

Einige Informationen sind bereits verständlich gestaltet, andere könnten noch zugänglicher sein.


Next Step:

→ Sprache vereinfachen, mehr Informationen gibt es zum Beispiel hier:

aktion-mensch.de/dafuer-stehen-wir/was-ist-inklusion/was-ist-leichte-sprache/regeln-leichte-sprache

→ Orientierungssysteme verbessern (klare einfache Sprache, mindestens Schriftgröße 14, kontrastreich, Piktogramme und Symbole unterstützend verwenden)

→Aushängen, wer für Barrierefreiheit zuständig ist

digitale Angebote auf Barrierefreiheit überprüfen: aktion-mensch.de/inklusion/barrierefreiheit/barrierefreie-website

Informationen sind gut zugänglich

Informationen und Orientierungshilfen deiner Einrichtung scheinen für viele Menschen verständlich und nutzbar zu sein. Unterschiedliche Wahrnehmungs- und Kommunikationsbedarfe werden bereits berücksichtigt.


Next Step:

→ digitale Barrierefreiheit weiterentwickeln, hierfür gerne nochmal die Grundlagen der WCAG prüfen

→ Challenge: Finde in den nächsten vier Wochen eine Information deiner Einrichtung, die nicht barrierefrei ist!

→ Rückmeldungen von Nutzer*innen einholen

Gestaltung von Angeboten

Werden unterschiedliche Bedürfnisse von jungen Menschen bei der Planung von Angeboten berücksichtigt?
Dazu können körperliche Voraussetzungen, Sprachbarrieren oder unterschiedliche Lernweisen, individuelle Unterstützungsbedarfe gehören.
Werden pädagogische Angebote in meiner Einrichtung so gestaltet, dass möglichst viele junge Menschen teilnehmen können?
Inklusive Angebote ermöglichen unterschiedliche Formen der Beteiligung (häufig können bei Angeboten und Spielen Tempo, Regeln, Rollenverteilung variieren) Die konkrete Gestaltung von Methoden, Aktivitäten und Gruppenangeboten wird im Selbstcheck „Inklusion konkret – innerhalb von Angeboten“ ausführlicher betrachtet.
Haben junge Menschen die Möglichkeit, ihre Wünsche und Ideen in Angebote einzubringen?
Mitbestimmung ist ein wichtiger Bestandteil inklusiver Jugendarbeit. Gibt es Mitbestimmungskonzepte für junge Menschen mit und ohne Behinderung? Die Partizipationspyramide nach Straßburger und Rieger unterscheidet sieben Stufen der Beteiligung. Sie gibt einen guten Überblick, was Vorstufen der Partizipation sind (unter anderen: informieren, Meinung erfragen) und wo echte Beteiligung anfängt (beispielsweise: Mitbestimmung zulassen, Entscheidungsmacht übertragen).

Entwicklungspotenzial in der Angebotsgestaltung

Die Planung von Angeboten berücksichtigt bisher möglicherweise noch nicht alle unterschiedlichen Bedürfnisse junger Menschen.


Next Step:

→ Angebote gemeinsam zur nächsten Teamberatung oder Struktursitzung reflektieren

→ Beteiligung junger Menschen stärker einbeziehen zum Beispiel durch Beteiligungsrunden, Feedbackmöglichkeiten, gemeinsame Planung von Aktivitäten (sowohl junge Menschen mit als auch ohne Behinderung einbeziehen)

→ Beratung oder Fortbildung nutzen: Beratungsmöglichkeit der Fachstelle Inklusion nutzen oder Fortbildungsangebote des Thüringer Landesjugendamtes

Gute Ansätze vorhanden

Einige Aspekte inklusiver Angebotsgestaltung werden bereits berücksichtigt.


Next Step:

→Beteiligungsmöglichkeiten ausbauen, zum Beispiel durch Beteiligungsrunden, Feedbackmöglichkeiten, gemeinsame Planung von Aktivitäten (sowohl junge Menschen mit als auch ohne Behinderung einbeziehen)

→ Anpassungsmöglichkeiten bei Angeboten bewusster planen, bei Bedarf Beratungsmöglichkeit der Fachstelle Inklusion nutzen

→ Praxischeck „Inklusion innerhalb von Angeboten“ durchführen

Angebote werden inklusiv gedacht

Unterschiedliche Bedürfnisse junger Menschen werden bei der Planung und Durchführung von Angeboten berücksichtigt. Beteiligung scheint ein wichtiger Bestandteil eurer Arbeit zu sein.


Next Step:

Methodenvielfalt weiterentwickeln, hierfür gerne den Methodenpool der Fachstelle Inklusion nutzen

→ gute Praxis im Team und mit der Fachstelle Inklusion teilen, zum Beispiel in der digitalen Sprechstunde (Was für euch selbstverständlich ist, kann für andere ein wichtiger Impuls zum Loslegen sein.).

Organisation und Offenheit

Können organisatorische Abläufe (wie Teilnahmebedingungen oder Zeiten) bei Bedarf angepasst werden?

Flexible Strukturen erleichtern die Teilnahme für junge Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen.


In der Praxis könnten das unter anderem sein:


  • Anmeldung: schriftlich/ mündlich/ telefonisch möglich; einfache oder mehrsprachige Formulare
  • Teilnahmebedingungen: flexible Altersgrenzen, individuelle Absprachen statt starrer Regeln, Berücksichtigung von Unterstützungsbedarfen
  • Zeiten: spätere Anfangszeiten oder frühere Ausstiegsmöglichkeiten, Pausen flexibel gestalten, Teilnahme auch in Teilabschnitten ermöglichen
  • Begleitung und Unterstützung: Mitbringen von Assistenzpersonen ermöglichen, zusätzliche Betreuung bei Bedarf organisieren
  • Kosten und Zugang: reduzierte oder flexible Teilnahmebeiträge, Unterstützung bei Anträgen oder Finanzierung
Überprüfst du regelmäßig eure Rahmenbedingungen und arbeitet aktiv daran, Barrieren abzubauen?
Inklusion ist ein fortlaufender Prozess, kein abgeschlossener Zustand. Regelmäßige Reflexion im Team (zum Beispiel in Teamsitzungen oder Strukturrunden) kann helfen, Entwicklungen sichtbar zu machen und neue Schritte zu planen.
Sind wir für Fragen von Eltern offen und haben diese einen festen Rahmen?
Eltern sind nicht die Zielgruppe von Jugendarbeit. Dennoch sind sie ein wichtiger Baustein, wenn es um die Zugänge und Teilnahme von jungen Menschen mit Behinderungen geht.

Strukturelle Entwicklung möglich

Organisation und Abläufe könnten für manche junge Menschen eine Teilnahme erschweren.


Next Step:

→ gemeinsam im Team überlegen, welche Anpassungen möglich sind

→ erste kleine Veränderungen ausprobieren

→ Beratung oder Erfahrungsaustausch nutzen, dafür eignen sich die Beratungsangebote sowie die digitale Sprechstunde der Fachstelle Inklusion

Offenheit vorhanden

Es gibt Bereitschaft, Strukturen anzupassen. Gleichzeitig könnten organisatorische Abläufe noch systematischer reflektiert werden.


Next Step:

→ feste Reflexionszeiten im Team einplanen

→Zuständigkeiten klären

→ Artikel unter „Grundlagen & Orientierung“ durchsehen, zum Beispiel zur Elternarbeit

Strukturen unterstützen Inklusion

Organisatorische Abläufe scheinen flexibel gestaltet zu sein. Barrieren werden regelmäßig reflektiert und Veränderungen sind möglich.


Next Step:

regelmäßige Reflexionszeiten im Team beibehalten

→ Erfahrungen dokumentieren und gerne als Good pracitce Beispiel in der digitalen Sprechstunde der Fachstelle Inklusion teilen